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Dr. Maria Schaumayer Stiftung

Stiftung zur Förderung von Frauenkarrieren

Festrede der Vorstandsvorsitzenden Mag. Dr. Helga Wagner
anläßlich der Jubiläumsfeier 2016

Sehr geehrter Herr Gouverneur Univ. Prof. Dr.Nowotny!
Sehr geehrter Herr Vizegouverneur Mag. Ittner!
Sehr geehrte Frau Sektionschefin des Wissenschaftsministeriums Dr. Rauskala!
Sehr geehrte Festgäste!

Namens der Dr. Maria Schaumayer Stiftung bedanke ich mich auf das herzlichste beim Direktorium und beim Präsidenten des Generalrates der OeNB, die es uns aufgrund ihrer Großzügigkeit ermöglicht haben, die Feier in diesem wunderschönen und ehrwürdigen Rahmen durchzuführen - und ihre Gäste zu sein. Dass uns das von Frau Präsidentin Dr. Schaumayer anlässlich Ihres 80.Geburtstags angesprochene "ppp" Public private partnership" auch diesmal gewährt wurde, erfüllt uns mit Stolz, denn auch zu diesem Fest hat sich die OeNB generös an die Spitze der Sponsoren gestellt und dafür kann nicht genug gedankt werden, denn die gemeinnützige Stiftung, die immer mehr wächst, benötigt wohlwollende Unterstützung.

Weiters bedanke ich mich bei Frau Sekt.Chefin Dr. Rauskala als Vertreterin des Herrn Bundesministers für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Vizekanzler Dr. Reinhold Mitterlehner, für die finanzielle Unterstützung und freue mich, dass sie uns über die letzten gesetzlichen Regelungen, die die Frauenförderungen in der Wissenschaft betreffen, berichten wird.

Vielen Dank unserem Vorstandsmitglied Ministeralrätin Mag. Weilinger, die uns tatkräftigst bei der Organisation und beim Sponsoring unterstützt hat.

Wir sind heute zusammengekommen, um den 25.Geburtstag der Stiftung, der untrennbar mit dem Geburtstag der Stifterin verknüpft ist, zu begehen. Frau Dr. Schaumayer wäre am 7.10.2016 85 Jahre alt geworden. Sie hat die Stiftung anlässlich ihres 60. Geburtstages, gegründet. Sie war am 1.7.1990 Nationalbankpräsidentin geworden - in dieser Funktion war sie weltweit die erste Frau.
Es war ihr ein besonderes Anliegen den jungen Akademikerinnen Mut zu machen, sich um Spitzenpositionen selbstbewusst zu bewerben und Widerstand zu leisten, dass ihre Karriere, wie es damals üblich war, im Mittelfeld endet.

Vor der Gründung beauftragte sie ein Institut mit der Erhebung des Anteiles der Universitätsprofessorinnen an den österreichischen Universitäten. Das Ergebnis war erschreckend, es lag knapp unter drei Prozent.

Die Stiftung wurde als Bundesstiftung gegründet, wozu ein Grundkapital von 1,000.000 ATS notwendig war, das die Stifterin aus ihrem privaten Vermögen zur Verfügung gestellt und diesen Betrag bis zu ihrem Tod um mehr als das 5-fache aufgestockt hat. Die Stiftung dient allein wissenschaftlichen Zwecken, wobei die Förderung von Frauen in Führungspositionen, insbesondere aufgrund hervorragender wissenschaftlicher Leistungen im Mittelpunkt steht.

Sowohl der Vorstand als auch sämtliche Beisitzer arbeiten ehrenamtlich.

Mit der Stiftungsgründung wollte sie einerseits einen Bewusstseins-Prozess und ein Umdenken in der Öffentlichkeit einleiten, andererseits als erfolgreiche Vorreiterin jungen Frauen Vorbild sein.

Sie war schon immer der Überzeugung, dass Frauen auch den wissenschaftlichen Anforderungen ebenso bravourös wie Männer entsprechen, sie aber an Spitzenkarrieren von den weltweit in der Zivilisation vorherrschenden patriarchalischen Strukturen und dem daraus resultierendem Mangel an eigenen Selbstbewusstsein behindert werden.

Bis heute wurden über 1.000 Arbeiten ausgezeichnet.

Seit 2012 werden durchschnittlich 70 bis 80 Arbeiten pro Jahr eingereicht, davon wurden ca. 80% ausgezeichnet. Erfreulicherweise wurden zu den letzten Terminen zunehmend Arbeiten aus den MINT – Medizin- und Biologiefächern, aber auch hervorragende Arbeiten auf juristischem Gebiet insbesonders Europarecht-, Finanz- und Wirtschaftswissenschaften eingereicht und ausgezeichnet.

Um nur einige Beispiele zu nennen:

Eine Arbeit mit dem Titel "Photonic Quantum Computing" beschäftigt sich mit Experimenten auf dem Gebiet photonischer Quantencomputer - jene Computer der Zukunft, die Sicherheit von Hackangriffen und unglaubliche Rechengeschwindigkeiten garantieren sollen. Die Preisträgerin ist nunmehr wissenschaftlich an der Universität Oxford tätig.

Eine bahnbrechende Arbeit wurde heuer von einer Doktorandin der technischen Universität Wien auf dem Gebiet der Kernphysik "Winkelverteilung von Spaltfragmenten" ausgezeichnet. Für diese Arbeit hat sie unter Einsatz eigener Mittel sowohl einen Forschungsplatz in Amerika bezahlt als auch an der Konstruktion eines komplett neuartigen Detektors für Kernphysik, der es ermöglicht die Kernspaltung in 3 dimensionalen – Bildern darzustellen, beigetragen; sie wurde sofort mit offenen Armen in den USA, wo sie ihre Forschungen mangels Möglichkeiten in Österreich durchgeführt hat, aufgenommen.

Eine Diplomarbeit zum Thema: "Theoretische Planung und messtechnische Evaluierung eines Hallraumes" – ein Akustikthema - begeisterte den beurteilenden Beirat – der selbst sub auspiciis praesidentis promoviert hatte – derart, dass er folgendes schrieb: "Wenn es eine Technikerin, die aus guten Gründen, darauf gedrillt ist, normgerecht zu handeln, den Mut aufbringt, eine Norm nicht nur in Frage zu stellen, sondern in der Lage ist, zu zeigen, dass sie fehlerhaft ist, gebührt ihr meines Erachtens so etwas wie der Maria-Theresien-Orden."

Hervorragende Arbeiten gab auf medizinischem und pharmazeutischem Gebiet, (etwa 10 Preisträgerinnen, die auf dem Gebiet der Krebsforschung hervorragende Arbeiten mit neuen Forschungsansätzen leisteten, ebenso Arbeiten, die Demenzforschung zum Inhalt hatten, sowie Forschungen, die sich mit schonenden Heilbehandlungen befassten - um nur einige Beispiele zu nennen.) auch diese Preisträgerinnen wurden sofort von Universitäten in den USA, Australien und Kanada engagiert.

Eine der Preisträgerinnen – eine Archäologin (Forschungen in der Nähe von Ephesus) – promovierte im Vorjahr sub auspiciis praesidentis.

Die Absolventinnen sind durchschnittlich 25- 30 Jahre alt und sprechen in der Regel mindestens 5-6 Fremdsprachen, manche davon Japanisch, Türkisch, Koreanisch und Chinesisch.

Einige von ihnen äußerten den Wunsch wieder nach Österreich zurückzukehren – so ferne ihnen Forschungsmöglichkeiten geboten werden – und da schaut es manchmal leider sehr schlecht aus.

Ich bedaure dies, dass Österreich auf ein derartiges Potential mangels Infrastruktur verzichten muss.

Um die Zukunft erfolgreicher und hervorragender Frauen muss uns jedoch nicht bange sein – Frau Dr. Schaumayer hätte ihre Freude gehabt!

In Zukunft liegt der Stiftung insbesondere am Herzen, dass die Preisträgerinnen sich untereinander vernetzen, um sich fachlich auszutauschen oder bei der Jobsuche zu helfen.
Ein Blick auf die Homepage der Stiftung, unter der in Zukunft die Preisträgerinnen und der Titel ihrer Arbeit veröffentlicht werden, könnte auch der Wirtschaft bei der Suche nach geeigneten Kräften nützlich sein.

Frau Dr. Schaumayer lagen neben der Auszeichnung vor allem 3 Schwerpunkte am Herzen:

1.) Beruf und Familie vereinbar mit Karriereansprüchen von Frauen zu machen.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, etwa Betreungsangebote für Kinder, Öffnungszeiten der Kindergärten müssen noch immer verbessert werden und die Väter in Kinderbetreuung und Erziehung mehr integriert werden, was auch einiger Neuregelungen auf arbeitsrechtlichem und karenzregelndem Gebiet bedarf. Auffallend, aber nicht verwunderlich ist, da sie einen Großteil ihrer Freizeit der Forschung, Weiterbildung und den Publikationen widmen, dass ca. 96% der Preisträgerinnen weder verheiratet sind, noch in Partnerschaften leben und keine Kinder haben.

2.) Als Ziel sollte die Gleichstellung und Chancengleichheit von Mann und Frau angestrebt werden.

Frau Dr. Schaumayer war bis kurz vor ihrem Tod gegen eine Quotenregelung, da sie diese als Frauen schädigend ansah. Frauen sollten aufgrund ihrer spezifischen Fähigkeiten, ihres Fleißes und ihres Einsatzes, Spitzenpositionen aus eigener Kraft erreichen, im Berufsleben sollte nicht nach Mann oder Frau gefragt werden, sondern nach "geeignet oder nicht geeignet".

Nachdem es gegen Ende der 1. Dekade des 21. Jahrhunderts zu einem Rückschritt der Beteiligung der Frauen vor allem in der Politik, aber auch in den Vorstandsetagen der Privatwirtschaft gekommen war, änderte sie ihren Standpunkt und meinte ohne Quotenregelung werde es doch nicht gehen.

Österreich bewährt sich weiter als Macholand, obwohl es mehr Hochschulabschlüsse weiblicher Studentinnen gibt. Das ist aus den jüngsten Zahlen, die von der Arbeiterkammer im Sommer dieses Jahres veröffentlicht wurden, ablesbar: Die Vorstandsetagen sind noch immer männerdominiert, ein Viertel der 200 größten Unternehmen kommt gänzlich ohne Frauen in der Geschäftsführung und im Aufsichtsrat aus, in der Geschäftsführung ist der Männeranteil 13 Mal so hoch als der Frauenanteil. Der Aufsichtsratsanteil der Männer beträgt über 82%.

Heute stehen wir vor kaum überschaubaren auf uns alle zukommenden Problemen, daher wird Achtsamkeit im Hinblick auf die Errungenschaften um die Gleichstellung der Rechte der Frauen geboten sein, um nicht das mühevolle Ringen von Generationen von Frauen um Gleichberechtigung und Chancengleichheit zu verspielen. Unsere Preisträgerinnen als junge Akademikerinnern, die zu der Führungselite des Landes gehören bzw. gehören werden, sind gefordert, maßgeblich Verantwortung an der Gestaltung der Zukunft des Landes und der Wahrung und Verteidigung der Gleichberechtigung zu tragen.

3.) Für Führungsaufgaben forderte Dr.Schaumayer als conditio sine qua non nicht nur fundierte Fachausbildung, sondern hohe ethische Qualitäten.

Arbeiten an der Selbsterkenntnis, dem Γνῶθι σεαυτόν und an der Kunst, das eigene Ego nicht zu groß werden zu lassen, denn dann wird es zum größten Feind des Menschen, sondern in das gemeinsame Beste – in die res publica – die Gemeinschaft- zu integrieren.

Dr. Schaumayer forderte Zivilcourage des Denkens.

Für die Persönlichkeitsentwicklung ist es notwendig, vor allem das Denkvermögen und nicht das Wissen allein zu schulen und Verantwortung zu übernehmen.

Für sie war es wichtig Achtsamkeit und Aufmerksamkeit zu pflegen:

  • in der Verteidigung eigener Werte,
  • in der würdevollen Begegnung mit anderen,
  • in der Einstellung zur Arbeit und den Dingen, für die es sich zu engagieren lohnt!

Mit Humor und Selbstironie - war sie der Ansicht – sich manchmal auch eigene Fehler zu verzeihen - und sinnvolle Freizeitbeschäftigung wie etwa Musik, Wandern, Lesen oder Ausübung von Hobbys nachzugehen, denn diese ermöglichen für den Alltag Kraft zu schöpfen.

Als Wirtschaftspolitikerin und Regierungsbeauftragte agierte sie mit Weitblick, Augenmaß, Klugheit und dem Blick für das Wesentliche.

Zweimal habe sie in ihrer Berufslaufbahn Herzklopfen gehabt:

vor ihrer ersten Begegnung mit den Notenbank Gouverneuren aus aller Welt – und vor dem ersten Zusammentreffen als Regierungsbeauftragte mit dem amerikanischen Chefverhandler in der Zwangsarbeiterfrage Stuart Eizenstat: "Da hat die ganze Republik in meinen Knien gezittert".

Ihre Kardinaltugenden waren: Demut und Bescheidenheit.

Ihr Einkommen hat sie schon zu Lebzeiten großzügigst Bedürftigen oder gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung gestellt, ohne darüber je ein Wort zu verlieren.

Dr. Maria Schaumayer verfügte nicht nur bei den Aufgaben, die an sie herangetragen wurden, über hervorragende Kompetenzen, weil sie immer bereit war, sich für die zu übernehmenden Funktionen das nötige Wissen an zu eignen, sondern verwirklichte auch menschlich das Ideal, das man unter einer ausgereiften charismatischen Persönlichkeit versteht, die Inkarnation der Weisheit – hervorgehend aus überzeugter Gläubigkeit und einem tieferen Bewusstsein, wo die Erfahrung des Seins und der gefühlte Sinn des Lebens angesiedelt sind.

Sie werden das erkennen, wenn Frau Dr. Schaumayer am Ende der Veranstaltung zu Ihnen spricht.

© 2015-2019 Dr. Maria Schaumayer Stiftung